Ich schreibe von dem, was ich kenne

Ich schreibe von dem, was ich kenne

Ich schiebe meine runde Brille höher auf die Nasenwurzel und lege die Fingerspitzen sanft auf die Tastatur. Als würden sich die Worte formen, sobald ich es nur genug wollte. Doch die Wahrheit ist, sobald ich auch nur einen Versuch mache, sind die Gedanken immer dieselben und ich schreibe Worte, die ich schon beinahe ein duzend Mal geschrieben habe. Die Löschen-Taste ist bereits ganz abgenutzt und der Cursor schreit mich wütend an. Ich weiß nicht, ob ich einfach nur unfähig bin oder ob ich nicht beginne, weil ich vor mir selbst verstecke, was nur das Schreiben ans Licht bringen würde.

Von unten dringt Musik nach oben und die Nacht fühlt sich größer an als sonst. Vielleicht wahrhaftiger. Ich lösche das Licht und Dunkelheit erfüllt den Raum, kriecht in jede Ecke. Und ich weiß, wenn sie auch mich wie eine warme Decke umschließt, wird sie die Wahrheit hervorbringen. 

Ich weiß nicht warum, doch wir sind am ehrlichsten, wenn es dunkel ist. Die Zunge fühlt sich leichter und die Worte erlangen mehr Gewicht. Sie hallen etwas länger nach. 

Sie werden nicht von einem Lichtkegel angestrahlt, von allen Seiten beleuchtet. Sie dürfen sein, was sie sind oder auch was sie nicht sind.

Vielleicht ist die Wahrheit längst eine Lüge, die wir in uns tragen. Vielleicht ist sie auch nur das, was wir im Mark tragen, damit sie uns ebendort nicht mehr erschüttert.

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