„Ich schwören feierlich, ich bin ein Tunichtgut“

„Ich schwören feierlich, ich bin ein Tunichtgut“

„Ich schwören feierlich, ich bin ein Tunichtgut“. Ich kann nicht aufhören, an die Karte des Rumtreibers zu denken. An verborgene Wege und Geheimnisse.
Die magische Karte, vergleichbar mit dem ewigen Scrollen, dem ewigen Klicken, den Profilen, die in der Suchleiste ganz oben stehen.

„Missetat begangen“. Ich lege das Smartphone weg und lösche die App.

Automatisch entsperre ich am Morgen wieder den Bildschirm und lasse das Smartphone in der nächsten Sekunde wieder auf die Kommode fallen. Frage mich, was ich nun machen werde, mit der neuen Zeit, die ich mir selbst geschenkt habe.
Ich stehe einfach auf und sitze schon am Vormittag auf dem Fahrrad, während ich früher sicher noch eine Stunde im Bett herum gescrollt hätte.
Klar, davon hätte ich keine schmerzenden Beine gehabt, doch ich hätte den Ausblick verpasst, die gemeinsame Zeit mit meinem Papa und den Fahrtwind, während wir mit 44 km/h den Hügel runter rauschten.

Ich liebe den Austausch, das vernetzen, Menschen finden, die die gleichen Interessen haben. Ihr, die diese Zeilen lest. Doch allzu oft sind es die Augenblicke ohne Smartphone, nur mit der Kamera, die all die Momente dazwischen aufzeichnet. Verschwommenen Bilder beim Kochen und ein Glas Wein, oder zwei. Gemeinsam in die Nacht singen. Am Morgen einfach liegen bleiben und verschlafen in die Sonne blinzeln. Den ersten Kaffee. Das erste Mal an der frischen Luft. Alpakas auf der Weide und jedes Lächeln, jeder Atemzug.
Das sind die Momente, die wirklich wichtig sind.

Also habe ich Abstand genommen, mich etwas mehr befreit, von dem, was einen so großen Teil meines Lebens eingenommen hat.
Habe wieder wahrgenommen, gelesen, Zeit mit mir selbst verbracht.

Abstand schafft neue Perspektiven, Möglichkeiten – wie diese hier. Nicht mehr nur scrollen, sondern bewusst kontrollieren. Und auch entfolgen, was mir nicht guttut.
Bewusst lesen. Bewusst sein.

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