Stille. 

Der Lärm ist ohrenbetäubend und wir treten von einem Bein auf das andere, nicken mit den Köpfen, während der DJ ein Lied spielt zu dem alle lauthals mit grölen. „Es tut mir leid Pocahontas, ich hoffe du weißt das.“ Meine Stimme bricht, denn ich schreie beinahe, als würde das irgendetwas ändern. Ich bin wütend, weil dieses Lied viel zu gut passt. Dieser Club hier hat alles von uns gesehen. Zwei Mädchen, die weinend über ihrem Jägermeister sitzen und Abende, die von unserem Lachen, erfüllt waren, als wir tanzend und springend ein paar Menschen anrempelten, die mit einem zunächst verdutzen Gesicht, einfach einstiegen und mit machten. Abende, die mit einem Döner endeten, den wir irgendwie umsonst bekamen oder damit, wie wir Schleichwege nach Hause fanden, über verbotene Treppen und Felder. Friedlich und erfüllt, ein wenig angetrunken und umgeben von der Nacht.

Und trotzdem höre ich die Stille. Jene. die wir alle kennen und über die keiner spricht. „Wie geht es dir?“ fragst du mich. Ich frage mich, ob diese Frage jemals jemand ehrlich beantwortet hat, unter welchen Umständen. Will die Wahrheit überhaupt jemand hören? Ich spüre wie mir die Tränen kommen, ich will schreien und dir erklären wie wütend ich bin, dass gerade alles zerbricht und dass ich mich alleine fühle, obwohl wir in einer Traube von Menschen stehen. Ich will dir erklären, dass ich mich fühle, als hinge ich in der Luft und dass ich schreiben will, aber dass ich nicht schreiben kann, weil mir die Worte entgegenschlagen. Als würde ich mitten durch das Dickicht rennen und die peitschenden, nackten Äste mein Gesicht zerkratzen. Doch ich renne weiter, weil der Schmerz nichts ist, wofür es sich anzuhalten lohnt. Weil er es ist, mit dem ich am Morgen meinen ersten Kaffee trinke und dem ich am Abend eine gute Nacht wünsche. Der Schmerz ist inzwischen ein Teil meines Tages, ein Teil von mir. Ich trete von einem Bein auf das andere, zwinge mich zu einem Lächeln und antworte: „Ja, ganz gut und dir?“

Warmer Wein

Ich nippe erneut an meinem Weißwein, den ich aus einem normalen Wasserglas trinke und der inzwischen warm geworden ist, weil ich das Glas so fest umklammere. 

Ich kann das nicht erklären, weil ich es selbst nicht verstehe. Und am liebsten würde ich mich mit dir auf ein Dach setzen, von dem aus wir auf die Stadt sehen können, vielleicht um zu reden aber vielleicht auch nur um zu schweigen. Vielleicht würde uns die Stille etwas über die Wahrheit erzählen und vielleicht wäre das auch die schönste Nacht unseres Lebens. 
 

Ich erinnere mich daran, als wir letztes Mal hier waren. Ein Wiedersehen und Abschied zugleich. Noch schnell ein verschwommenes Foto in einem schmutzigen Spiegel. Ein Symbolbild für das Leben. 

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