Warum gut zu sein manchmal so schwer ist

Warum gut zu sein manchmal so schwer ist

Da will man nur was Gutes tun, mehr auf seine Umwelt achten. Meine – unsere Umwelt. Schon ein bisschen influenced bei den Großen, die’s schon richtiger machen als du selbst. Bio, vegan, silikonfrei – und trotzdem in ’ner Plastikverpackung? Alles Neue tierversuchsfrei und trotzdem kaufst du Klamotten bei Zara? Wer hat sich als Übermensch deklariert? Ich nicht. Deinen halben Kleiderschrank an das Soziale Warenhaus gegeben und jetzt erst mal shoppen? Obwohl ich die meiste Zeit Bahn fahre, fahre ich dennoch manchmal mit dem Auto. Na, na! 

Sich für gute Taten rechtfertigen zu müssen, scheint genauso zu der guten Tat an sich zu gehören. Rechtfertigen dafür, kein Übermensch zu sein. Schande über dein Haupt. Das hier soll nicht polarisieren, das ist zum Nachdenken. Die Welt wirft laut mit ABER’S um sich, während sie leise verkümmert. Wir sind nur Menschen, die versuchen all das ein kleines bisschen besser zu machen. Ich bin nicht Tim Bendzko und werde auch nicht die Welt retten. Du hast die Schriftrolle gefunden, wie ich das machen muss? Das mit dem Gutmenschsein? Trage sie mir doch vor. Vielleicht fasst du dir dabei noch an die Nase und empfindest ein wenig mehr Frohsinn, dass sich der Umweltgedanke der Menschen ändert. Zum Großteil auch über diese verpönten sozialen Medien, in denen sowieso nur jeder vorgibt irgendjemand zu sein. Aber immer jemand, der er nicht ist. 

Ich blogge gefühlt eine halbe Ewigkeit, über dies und das. Angefangen des Schreibens wegen und jetzt auch meiner Inspiration – der Mode. Oberflächlich? Nein. Ich bin kein Gutmensch. Ich versuche es nur besser zu machen, dass ich abends schlafen kann, dass ich mich noch ansehen kann – nicht wegen mir, der Umwelt und der Menschen wegen. Woher das kommt? Von jenen, die das schon besser machen, die den Mut hatten, sich selbst zu stoppen und einen anderen Weg zu gehen. 

Tadle nicht. Ich spiele hier nicht die Moralapostel, es ist nur etwas das mich aufregt, das mich bewegt. Es geht nicht darum, alles aufzugeben, sich selbst nichts mehr zu schenken, was einem gefällt. Es geht um Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, was wir besitzen und sich bewusst zu werden – ein Bewusst-S-E-I-N zu dafür zu schaffen, wie gut es uns geht. Es geht darum, seine Taten zu hinterfragen, sich selbst zu fragen, ob man das gut findet, wie man lebt und schon Kleinigkeiten zu ändern. 

Warum gut zu sein manchmal so schwer ist
___
Was mich dazu veranlasst hat? Der Post von Luise. Ihr Wochenrückblick, in dem sie ihre zwei Wochen in Afrika nur kurz anreißt und innerhalb der nächsten drei Minuten schon die ersten mit dem Finger zeigen, dass sie das mit dem Gutmenschsein nicht richtig gemacht hat. Himmel! Sie war in Guinea und hat dort geholfen eine Schule zu bauen. Selbst wenn die Tadelnden, zu jenen gehören, die selbst bereits in Afrika waren, so darf man doch eines nicht vergessen. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen und damit ihr Geld verdienen, dürfen auch auf Instagram ein Bild davon hochladen. Sie dürfen einen Post darüber schreiben. Und sie dürfen ehrlich dort geholfen haben, auch wenn es keine „Beweisbilder“ gibt. Wo sind wir denn? Würdest du das auch von deiner besten Freundin verlangen, wenn sie dir keine Bilder von ihrer Hilfeleistung zeigt. Würdest du anzweifeln, dass sie geholfen hat?
 
Wir können doch froh sein, dass es jemanden gibt, der in der Öffentlichkeit steht und diese Erfahrung mit anderen teilt, sie dazu ermutigt, ähnliches zu tun. Doch es erfordert Empathie, ist das zu viel verlangt?
Back to Top